Im Juli hatte unsere Stadtratsfraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne beantragt, dass dem Stadtrat verschiedene Varianten für den Weiterbetrieb des Helenenbades vorgestellt werden. Vorausgegangen war eine Pressemeldung, wonach die städtische Wohnungsbaugesellschaft Kommwohnen Service GmbH die Betreibung des Helenenbads vom Verein Arbeitsmarkt und Regionalentwicklung – AUR e.V. ab 2021 übernimmt, da dieser seine Auflösung angekündigt hatte.

Für uns war es der richtige Zeitpunkt, generell zu überlegen, wie die Zukunft des Helenenbads langfristig aussehen soll. Dafür wurden wir im Stadtrat kritisiert, die lokale Tageszeitung warf uns politische Geltungssucht vor. Durch den Vortrag der Verwaltung am 26. November 2020 im Stadtrat ist klar geworden, dass der Antrag berechtigt war – denn die Zukunft des Helenenbades ist weiterhin offen. Klar ist nur, dass es auch in Zukunft nicht ohne Zuschüsse geht. Eine Revitalisierung als Freibad scheint angesichts der Investitionskosten von bis zu 3,7 Millionen Euro nicht realistisch, gerade mit Blick auf unseren Haushalt, dem zuletzt jegliche Eigenmittel für so wichtige Vorhaben wie Kita-Neubau in der Südstadt, Schulsanierung in Königshufen und Neubau der Freiwilligen Feuerwehr Innenstadt fehlten. Dennoch sollten wir das Ziel eines Freibades nicht komplett aus den Augen verlieren. Die Standortfrage ist dabei offen zu diskutieren. Natürlich macht es Sinn, sich eine Erweiterung des Neißebades um einen Freibadkomplex näher anzuschauen.

Was das Helenenbad angeht, liegen uns nun alternative Konzepte vor. Kommwohnen würde die Kinderbadelandschaft perspektivisch an den Berzdorfer See verlegen und das Areal multifunktional entwickeln, u.a. mit einem Erholungswald, Trimm-dich-Pfad und Ballsportfläche im ehemaligen Schwimmbecken. In eine ähnliche Richtung zielt ein Vorschlag der Chancenwerkstatt gUG Markersdorf, die zusätzlich ein Schullandheim in Form eines Zeltlagers aufbauen will. Angestrebt wird eine enge Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, damit junge Arbeitslose über Qualifizierungsmodelle im Helenenbad praktisch tätig werden können. Wurde im Sommer noch der Coup mit Kommwohnen als neuem Betreiber in der Öffentlichkeit gefeiert, stellt sich nun heraus, dass die Umsetzung kompliziert wird. Kommwohnen kann nicht so einfach als GmbH das Anlagevermögen des gemeinnützigen AUR e.V. übernehmen. Deshalb wird nun von der Stadtverwaltung der Vorschlag der ebenfalls gemeinnützigen Chancenwerkstatt favorisiert.  Die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne schlägt folgendes weiteres Vorgehen vor:

  1. Die Fraktionen sollten sich im Rahmen der Haushaltsdebatte verständigen, welche Zukunft das Helenenbad bekommt. Schnellschüsse mit Blick auf die beginnende Saison im Mai sind zu vermeiden.
  2. Wir brauchen zuvor Klarheit, welche Knackpunkte bei der Suche eines neuen Betreibers zu beachten sind, insbesondere mit Blick auf das Anlagevermögen.
  3. Es braucht danach ein öffentliches Interessenbekundungsverfahren, da wir nicht einfach die Betreibung mit Jahreszuschüssen im mindestens fünfstelligen Bereich an einen Träger frei vergeben können. Somit können sich neben der Chancenwerkstatt noch weitere Vereine und Initiativen mit guten Ideen bewerben.